Gierend, mehrend
haben wir machtvoll das Maß für das Ewige verloren.
In der Schattenwelt nähren die Dornen der Menschheitskrone
den Schmerz der Gaia vor dem drohenden
Abschied voneinander.

 

 

Wer maßlos nimmt, der leert, setzt die Dornen
tief unter ihre bewahrende Haut,
die der Menschheit Zukunft schenkt.

Flaschenpost auf den steigenden Weltmeeren:
Wer vermisst den Weltenkreis am Ende des Wachstums neu?
Wer schürft im Chaos der Weltordnung tief
bis an den Seelengrund?
Wer würdigt alles Leben, als wäre es das Eigene?
Wer erdet die Pole in den Kreislauf?
Wer sät und hütet natürliches Wachstum
bis es Früchte trägt und heilt?

Wer heilt,
entdornt das schmerzende Geflecht der Menschheitskrone,
setzt weiße Segel im Wald der tausend Bäume,
zitiert die Mächte vor die Demut,
bis an jene Schwelle hinter der das Licht der Einheit scheint:
Hüte den Schatz der Weisheit,
sorge für das gemeinsame Haus.
Das Gebet hebt,
vereint die Götter auf das Eine über den Dämonen.

Silberstreifen am Horizont.
Du bist gemeint.
Eine zweite Erde gibt es nicht!

Text und Bild: Peter Michael Lupp

 

STREITFALL

 

Mensch – Heil oder Dorn der Schöpfung  

 

Martin Steinert [Holzskulptur]
François Schwamborn [Lichtkunst]

 

Eine künstlerische Prozessarbeit über die Zukunft der Erde 

 

1 → Katholische Kirche Maria Heimsuchung Auersmacher
Eröffnung am 14. Februar, um 19 Uhr

 

2018 wurde die Amateurtheatergruppe „junge bühne auersmacher“ gemeinsam mit dem Bildhauer Martin Steinert mit dem Kulturpreis für Kunst des Regionalverbandes Saarbrücken ausgezeichnet. Auf Initiative der Regionalentwicklung des Regionalverbandes Saarbrücken entstand im Austausch mit den Künstlern die Idee zu einem gemeinsamen Kunstprojekt anlässlich der Passionsspiele in Auersmacher 2020. Kleinblittersdorf mit dem Ortsteil Auersmacher gehört zum UNESCO-Biosphärenreservat Bliesgau. Das Kunstprojekt widmet sich in diesem Kontext der Zukunft der Erde und versteht sich als Chance, eine Annäherung zu einem ökologisch und ethisch tragfähigen Verhältnis zwischen Mensch und Natur mit der Sprache der Kunst und Kulturarbeit zu inspirieren.

Mit dieser Intension wurde die Inszenierung der Passionsspiele 2020 der „jungen bühne auersmacher“ durch ein gemeinsames Kunstwerk des Bildhauers Martin Steinert und des Lichtkünstlers François Schwamborn erweitert. Das Bild der beiden Künstler thematisiert eine menschliche Weltengemeinschaft, die sich offenbar oder subtil als „Krönung“ der Schöpfung empfindet und mit einer Geste der Überheblichkeit gegenüber der Natur die Lebensgrundlage künftiger Generationen verdornt.

Das Bild

Im Kirchenraum scheinbar schwebend über dem Chor, dem Ort der Wandlung, hat Martin Steinert in wochenlanger Arbeit aus unzähligen Stäben aus regionalem Holzvorkommen ein überdimensionales Zitat einer Dornenkrone geschaffen. Diese hölzerne „Dornenkrone der Menschheit“ wirkt jedoch nicht für sich alleine, sie wird zur Projektionsfläche einer Lichtinstallation des Lichtkünstlers François Schwamborn. Dem Künstler geht es darum, kurzsichtiges und eindimensionales Sehen zu durchbrechen. Auf der Suche nach dem Heilsamen durchleuchtet er sprichwörtlich das System der „Menschheitskrone“ von Martin Steinert und trifft auf Widersprüche. Im Zusammenspiel mit Texturen des Kurators Peter Michael Lupp wird das Werk zu einem Bild, das offen ist für den, der fragt und weiterdenkt.

Das Werk wird ab dem 14. Februar in der kath. Kirche Maria Heimsuchung Auersmacher bis Mitte des Jahres 2020 zu sehen sein. Zur Eröffnung am 14. Februar 2020, um 19 Uhr, wird herzlich eingeladen.

Zum Projekt erscheint ein Poetisches Brevier
(44 Seiten, illustriert, Preis 3 Euro)
erhältlich vor Ort und den Projektpartnern

Nach Abschluss der Projektphase in Auersmacher ist ab Mitte 2020 eine [Ver]wandlung der Dornenkrone in eine symbolische Erdkugel geplant, die auf dem Wintringer Hof am KulturOrt Wintringer Kapelle gezeigt wird. Im Vorfeld dazu hat Martin Steinert Modelle aus Metall entwickelt, die derzeit als Prolog am KulturOrt Wintringer Kapelle gezeigt werden.

 

Experiment und Forschungsauftrag

Das Kunstprojekt verfolgt prozessorientiert die Fragestellung, inwieweit sich der Zugang zu ökologischem Denken und Handeln über die Bildsprache der Kunst und der Kopplung eines Diskurses mit unterschiedlichen Akteuren und Institutionen erweitern und vernetzten lässt. Dabei werden Aspekte der gegenwärtigen Rolle von Spiritualität, Religion und Kirche als Bindeglied zur Bildung nachhaltiger Entwicklung innerhalb der Gesellschaft und sakraler Raum als Ort des Übergangs und des Rückzugs zum Thema. Im Zeichen der Ökumene wird der gesamte Prozess mit der „Laudato si´ – Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ von Papst Franziskus sowie „Das Kairos für die Schöpfung – Hoffnungsbekenntnis für die Erde“ der Evangelischen Kirche in Deutschland in Verbindung gebracht. Das Experiment möchte Bild und Bildung sein für andere, um aufzuzeigen, dass Kunst- und Kulturprojekte dieser Art ein größeres Spektrum zur Lösungsfindung für nachhaltige Entwicklungsstrategien generieren können.

 

Zusammenspiel von Künstlern und Netzwerkpartnern

Projektträger: junge bühne auersmacher
Vorsitzender/künstlerischer Leiter der Passionsspiele Auersmacher: Josef Lang

Das Kunstprojekt ist eine Initiative des Regionalverbandes Saarbrücken zur kulturellen Bildung für nachhaltige Entwicklung. Schirmherr: Regionalverbandsdirektor Peter Gillo

Projektpartner: Katholische Kirchengemeinde Maria Heimsuchung Auersmacher, Gemeinde Kleinblittersdorf, Dekanat Saarbrücken, Kirchenkreis Saar-West der Evangelischen Kirche im Rheinland, Biosphärenzweckverband Bliesgau, Wintringer Hof | KulturOrt Wintringer Kapelle I VHS Regionalverband Saarbrücken, Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes

 

Zum Projekt erscheint ein illustriertes Brevier (erhältlich vor Ort und bei den Projektpartnern).

Kurator: Peter Michael Lupp, Kulturreferent Regionalverband
Kontakt: 06 81/506 60 60, peter.lupp@rvsbr.de

„Die Bewahrung der Schöpfung ist die zentrale Menschheitsaufgabe des 21. Jahrhunderts. Bildung für kulturelle Nachhaltigkeit und eine kreative Kulturarbeit kann uns dabei maßgeblich unterstützen, dass unsere gemeinsame Verantwortung für die sensible, ökologische Balance auf der Erde auch verstanden und gelebt wird. Dieses Kunstprojekt verdeutlicht den Stellenwert einer engagierten Kunst. Ihre Bildsprache und Symbolik steuert einen Prozess der Auseinandersetzung und lässt uns über wichtigen Themen mit vielen Menschen an einem außergewöhnlichen Ort ins Gespräch kommen!“, so der Schirmherr des Projektes Regionalverbandsdirektor Peter Gillo

 

2  → KulturOrt Wintringer Kapelle | Wintringer Hof

Quellen:

Biografien der Künstler

Martin Steinert

1959 in Saarbrücken geboren
1979 – 81 Erlernen der Bildhauerei in saarländischem Bildhauerbetrieb
1981 – 85 Studium der Kunstgeschichte, Universität Saarbrücken
1984 – 87 Führung einer Galerie für zeitgenössische Kunst, Saarbrücken
seit 1988 freischaffender Bildhauer
1999 – 2007 Atelier in der Alten Kapelle, Sulzbach
seit 2009 Atelier im KuBa am Eurobahnhof, Saarbrücken

 

Ausstellungen (Auswahl):

2019 Holzinstallation, St. Arnual; Holzinstallation wooden cloud, Al Istiqlal Park in Ramallah
2018 Die Mauer der abgehängten Körbe, Landsweiler-Reden; Holzinstallation Kumpel, Zeche Zollverein, Essen und Grube Reden, Landsweiler-Reden; Holzinstallation wooden cloud am Maison Heinrich Heine, Cité internationale universitaire de Paris; Das Boot, Bosener Mühle, St. Wendel
2017 Holzinstallation wooden cloud am Richardplatz, Berlin
2016 Holzinstallation wooden cloud in St. Petersburg, Russland; Holzinstallation Die Kugel in der Christ-König-Kirche, Bochum
2015 Holzinstallation wooden cloud in der Johanneskirche, Saarbrücken; Holzinstallation Esquisse en bois sur fond noir im Grand-Curtius-Museums in Liége, Belgien
2014 Kunstprojekt GegenOrt, Landsweiler-Reden; Installation in der Johanniterkirche, Feldkirch, Österreich; Skulptur im öffentlichen Raum, Union Stiftung, Saarbrücken; Ausstellung und Skulptur im öffentlichen Raum, Linz-Pregarten, Österreich
2013 Übergänge – Transitions, Deutsch-Französischer Garten, Saarbrücken; Skulptur im öffentlichen Raum, am KuBa, Saarbrücken
2012 Symposium Pino Bonnani, Perugia; Symposium Gisors, Frankreich

Einzel- und Gruppenausstellungen in Saarbrücken, Neunkirchen, Saarlouis, Hornbach, Rhodt, Bad Keuznach, Köln, Dortmund, Witten, Bad Aibling, Luxemburg, Brisago (Italien), Disentis (Schweiz);
Arbeiten im öffentlichen Raum in Illingen, Merchweiler, Riegelsberg, Marpingen, Sulzbach, Saarbrücken

www.martinsteinert.net

François Schwamborn

Meine Faszination gilt dem Licht und wie dieses unseren Wahrnehmungsapparat beeinflussen kann. 

In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit Sinneswahrnehmungen, deren Grenzen und Fehler. Diese erforsche ich indem ich mich verschiedener Medien bediene, wie Animation, Video und Fotografie. 

Mein Schaffensbereich liegt an der Schnittstelle zwischen Kunst und Design.

 

Ausstellungen / Projekte

Juni 2018 – Rotationen 2018 am Saarlandmuseum
April 2018 – „Unter Tage unter Deck“ auf dem Theaterschiff
März 2018Gebäudeillumination zum 100. Jahrestag des Frauenwahlrechts 
Januar 2018 – Robert Schuman Preis
in Metz
2017 – Multiplica bei den Rotunden (Luxemburg)
– Saar Art (Performance)
– Rotationen im Pingusson Bau (Projektleitung & eigene Arbeit)
2016 – Rotationen am Saarbrücker Schloss (Projektleitung & eigene  Arbeit)
– Herbstsalon am Kulturzentrum am Eurobahnhof (Saarbrücken)
– Bühnenbild für das Stück Credo von Die Redner
2015 – Glashaus (Saarbrücken)
– Rauminstallation in der ehemalige Bekolinfabrik im Rahmen des Perspektives Festivals
– Rotationen am Saarbrücker Schloss (Projektleitung & eigene Arbeit)
2014 – Rotationen HBK (Teshnische Leitung & Eigene Arbeit)
– Light Act

Preise

2013 – Studien Stiftung Saar

www.francois-schwamborn.com