Fotos: Roger Paulet

Tradition und Aufgabe

2015 blickt das Passionsspiel in Auersmacher auf eine 80-jährige Spieltradition zurück, die es zeitgemäß fortzusetzen gilt. Dieser Aufgabe alle fünf Jahre gerecht zu werden, stellt für eine Amateurtheatergruppe sowohl aus inhaltlicher wie organisatorischer Sicht eine große Herausforderung dar. Die organisatorische Leistung besteht darin, ein mehr als 150-köpfiges Ensemble für „das Unternehmen Passion“ zu begeistern und das Engagement und die Möglichkeiten jedes Mitwirkenden in das Gesamtkonzept zu integrieren. Dazu kommen viele freiwillige Helfer vor, auf und hinter der Bühne, die alle anfallenden Aufgaben bewältigen. Die meisten Beteiligten sind bereits seit Jahren begeisterte Mitstreiter des Großprojektes „Passionsspiele“, häufig sind ganze Familien involviert. Besonders viele junge Menschen sehen es als Bereicherung an, mitwirken zu dürfen, sei es als Darsteller, in der Organisation oder in der Technik.

 

Auch 2015 ist die Zustimmung zum Passionsspiel ungebrochen. Die überaus positiven Reaktionen der Zuschauer bestätigten die ständigen Bemühungen, dem Passionsspiel einen modernen, zeitgemäßen und trotzdem religiös fundierten Rahmen zu geben. Der inhaltliche Aspekt der Passion bedeutet für die “junge bühne” eine immer wiederkehrende Diskussion um Darstellung und Wirkung der Leidensgeschichte. Dabei stellt sich die Frage, wie zeitgemäß oder traditionsgebunden, wie religiös fundiert oder dramaturgisch frei die Darstellungsform sein darf. Diese Frage hat zu Veränderungen in Text und Darstellungsform geführt. So zielt das Anliegen der Regisseure Gilbert Meßner und Josef Lang in der diesjährigen Fassung darauf ab, nicht nur das Leiden und Sterben von Jesus Christus zu zeigen, sondern auch sein Wirken darzustellen und damit die christliche Botschaft der Nächstenliebe zu transportieren.

 

In der zeitnahen Interpretation werden in aussagekräftigen Szenen markante Inhalte des Evangeliums übermittelt. Die Anlage der Christusrolle, wie auch die der Apostel und der Pharisäer verdeutlicht zutiefst menschliche Charakterzüge und Emotionen. Hoffnung, Liebe und Überzeugung werden genauso zum Ausdruck gebracht wie Zweifel und Ängste. Zudem kommt der Rolle der Frau in den Evangelien eine größere Bedeutung zu. Die Erkenntnis, dass alles sich äußerlich wandeln muss, der Kern jedoch erhalten bleiben soll, hat wesentlich zum Erhalt der Passionsspiele Auersmacher sowie zum Zusammenhalt und zur begeisterten Teilnahme aller Mitwirkenden beigetragen. Diese Begeisterung zusammen mit dem hohen schauspielerischen Anspruch zeichnet die Qualität der Passionsspiele aus. So zielt das Bestreben zum einen darauf ab, die 80-jährige Spieltradition erfolgreich fortzuführen, zum anderen aber auch die zentrale christliche Botschaft der Nächstenliebe zeitgemäß zu vermitteln.